Der politische Wieland – Handlungs- und Deutungsspielräume eines Aufklärers

 

Tagung vom 25. bis 27. September 2013 im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar.

Christoph Martin Wieland  war lebenslang ein politischer Gestalter von Berufs wegen: Als Erzieher von Eliten, Inhaber von Positionen in Stadtverwaltung und Universität waren seine Tätigkeitsfelder typisch für einen neuzeitlichen Gelehrten. Die Erfahrungen auf diesen Gebieten finden immer wieder Eingang sowohl in sein dichterisches als auch in sein publizistisches Werk. So ist Wieland allein schon aufgrund seiner anhaltenden Reflexion von Theorie und Praxis des Politischen eine exemplarische Gestalt des Übergangs von der humanistischen Funktionselite zum modernen politischen Intellektuellen – in einer Epoche zumal, die durch radikale und tiefgreifende politische Veränderungen geprägt war: Er war Zeitgenosse und genauer Beobachter der drei Schlesischen Kriege, des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges sowie der Französischen Revolution mit ihrer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, der Abschaffung des Königtums und der Errichtung der Republik sowie der drei Koalitionskriege, die schließlich 1806 mit dem Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Neuordnung Europas endeten.

Anlässlich des 200. Todesjahres von Christoph Martin Wieland veranstaltete das Wieland-Forschungszentrum e.V. gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar 2013 eine interdisziplinäre Tagung, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Literatur- und Geschichtswissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft diese vielfältigen politischen Erfahrungen und praktischen Tätigkeiten Wielands sowie deren theoretische Reflexion in seinen Schriften untersuchten und diskutierten. Der ›politische Wieland‹ wurde damit erstmals in seiner Bedeutung nicht nur für das 18. Jahrhundert, sondern auch für Fragen des politischen Selbstverständnisses der Gegenwart gewürdigt. Die Ergebnisse der Tagung wurden in den Wieland-Studien 9 publiziert.

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