Wielands ›Renaissance‹. Rezeption zwischen Übernahme und Aneignung

 

Interdisziplinäre Fachtagung vom 20. bis 22. November 2014 im Wielandgut Oßmannstedt.

Christoph Martin Wieland (1733 – 1813) prägte wie kaum ein anderer die deutsche Aufklärung der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Als Dichter und Romancier, Übersetzer und Journalist erschloß er seiner Zeit eine Vielzahl neuer Themen, Stoffe und Werke und hatte damit einen kaum zu überschätzenden Einfluß auf wichtige Debatten und Entwicklungen der sich entfaltenden Publizistik und der Herausbildung der Weimarer Klassik.

Ein wesentlicher Stellenwert in Wielands Œuvre kommt dabei der Renaissance-Kultur zu. Die Übernahmen erschöpfen sich nicht in En passant-Allusionen und zufälligen Bezügen. Wieland weist der Renaissancekultur drei Funktionen zu: Sie ist ihm ,Relais‘, indem sie die entscheidende Vermittlung zwischen Antike und Moderne leistet, ,Prisma‘, indem sie das Überlieferte an der Moderne bricht und dessen Möglichkeiten bis in die Gegenwart hineinträgt, und ,Reservoir‘ an neugeschaffenen Motiven, Stoffen, Formen und Inhalten, in denen sich der Aufbruch in die Neuzeit verwirklichen konnte. Damit kann die Renaissancekultur als eine zentrale Bezugsgröße von Wielands dichterischem und philosophischem Schaffen gelten; er macht sie und ihre Ziele zu seiner eigenen Sache.

Es war das Anliegen der Tagung, diese neue Perspektive auf Wielands Werk in Einzeluntersuchungen zu erproben. Deren Ergebnisse wurden 2017 in den Wieland-Studien 10 veröffentlicht.

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